ALLAH - Gesetzgebender und Liebender GOTT
aus der Reihe
"Muslime im Dialog"
Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen
"O ihr Menschen, gedenket der Gnade Gottes gegen euch. Gibt es einen Schöpfer außer Gott, Der euch vom Himmel und von der Erde her versorgt? Es gibt keinen Gott außer Ihm! Wie könnt ihr euch da abwendig machen lassen?" (Sure 25, Vers 3)
Es ist eine weit verbreitete falsche Vorstellung, das islamische Gottesbild zeige einen grausamen und despotischen Gott, der die Menschen eine Unzahl von Verboten auferlegt habe, aber keine Liebe kenne. Gott sei im Islam nur der stenge Richter, der jeden Verstoß gegen Seine Anordnungen bestrafe, und der Mensch sein Sklave, der keine wirkliche Beziehung zu Gott haben könne.
Diese Vorstellung allerdings hat nichts mit dem zu tun, was uns der Quran über Gott und Seine Beziehung zur Schöpfung lehrt. Der Islam sagt, dass Gott eben gerade deswegen der gesetzgebende Gott ist, weil Er der liebende Gott ist. Denn Gottes Gebote sind kein starres, irrationales Zwangssystem, sondern eine Rechtleitung für den Menschen, deren Sinn und Nutzen durch den Verstand erfasst werden können.
Mensch in der Schöpfung
Gott ist Ursache und Erhalter der Schöpfung. Er ist absolute Realität, unerschaffen und ewig und nichts ist Ihm gleich. Der Mensch hat von Gott erhalten, mittels seiner Vernunft über die gesamte Schöpfung - einschließlich seiner selbst - reflektieren zu können.
Gott hat den Menschen zu Seinem "Stellvertreter auf Erden" gemacht (vgl. Sure 2,Vers 30).
Der Mensch ist erschaffen und vergänglich, nimmt aber in der Schöpfung die höchste Stufe ein und ist auf Richtlinien angewiesen, die ihm ermöglichen, auf Erden harmonisch und sinnvoll zu leben. Gott hat daher den Menschen immer wieder Propheten gesandt, die ihnen Offenbarungen Gottes übermittelten, aus denen sie lernen konnten, ihrer Aufgabe als Stellvertreter Gottes gerecht zu werden:
"Verheißen hat Allah denen unter euch, die glauben und gute Werke tun, dass Er sie gewisslich zu Nachfolgern auf Erden machen wird, wie Er jene, die vor ihnen waren, zu Nachfolgern machte; und dass Er gewisslich ihren (Stand), nach ihrer Furcht, in Frieden und Sicherheit verwandeln wird: Sie werden Mich verehren, (und) sie werden Mir nichts zur Seite stellen. Wer aber hernach undankbar ist, das werden die Empörer sein.Und verrichet das Gebet und zahlt die Zakat und gehorcht dem Gesandten, auf dass ihr Barmherzigkeit empfangen mögt."(Sure 24, Vers 55 & 56)
Nach islamischer Auffassung war der letzte dieser göttlichen Gesandten Prophet Mohammed (Der Friede sei mit ihm). Jedoch werden alle anderen Gesandten vor ihm anerkannt und im Quran als Beispiele und Modelle rechtschaffener Menschen angeführt. Die erste Offenbarung, die Mohammed (Der Friede sei mit ihm) empfing, lautete:
"Lies im Namen Deines Herrn, Der erschaffen hat, den Menschen erschaffen hat aus einem Klumpen Blut. Lies! Denn Dein Herr ist der Allgütige, Der durch die Feder lehrte, den Meschen lehrte, was er nicht wusste." ( Sure 96, Verse 1-5).
Schon in der ersten Offenbarung an Mohammed (s.a.w.) weist Gott darauf hin, dass Er der Allgütige ist, der die Menschen lehrt. Er teilt den Menschen auch mit, dass Er ein gütiger Schöpfer ist, der das Gute für die Menschen möchte. Daher ist eine Unterwerfung unter Seinen Willen für vernüftige Geschöpfe keine Demütigung, sondern eine Erhöhung.
Liebe und Gesetz
Die Leitung und Führung, die Gott den Menschen durch Seine Gesandten gebracht hat, ist Ausdruck Seiner Gnade und Liebe. Dass Gott den Menschen zu Seinem Stellvertreter auf Erden gemacht hat, dass Er ihn lehrt und ihm reichlich Unterhalt und Versorgung zuteil werden lässt, das alles zeigt, dass Gott Seine Schöpfung liebt.
Gottes Liebe gegenüber der Schöpfung und insbesondere Gottes Liebe zum Menschen manifestiert sich in der Schöpfung und ist für jeden Menschen, der von seiner Vernunft Gebrauch macht, zu erkennen. Einer der 99 schönsten Namen Gottes lautet Al-Wadud,
der Liebende:
"Er ist es, der erschafft und wiederkehren lässt; und Er ist der Allverzeihende, der Liebende, der Herr des Throns, der Hocherhabene, Bewirker alles dessen, was Er will." (Sure 85, Vers 13.16)
Da der Mensch der Rechtleitung bedarf, ist es eine Form von Gottes Liebe, wenn Er ihm Gesetze gibt. Viele Menschen haben hier oft missverständliche Vorstellungen, denn sie denken bei dieser Formulierung unwillkürlich an eine sinnentleerte Kasuistik.
Der Quran lehrt uns, dass Gesetze Gottes Richtlinien für das menschliche Handeln sind, deren Einhaltung den Menschen ein friedliches und harmonisches Zusammenleben ermöglicht. Alle Gesetze , die Gott den Menschen gibt, haben einen Sinn, und Gott fordert den Menschen auf, diesen Sinn zu verstehen. Der Mensch als Stellvertreter Gottes auf Erden soll wissen, war er tut, und nicht nur mechanisch Befehle ausführen. Hierin liegt die besondere Stellung des Menschen begründet: er soll aus freien Stücken heraus das Gute akzeptieren, weil er verstanden hat, was gut ist.
Selbsterkenntnis
Zur Erkenntnis Gottes gehört aber auch Selbsterkenntnis. Der Mensch muss zuallererst sich selbst begreifen, denn nur ein Mensch, der seine Relativität und Leitungsbedürftigkeit erkannt hat, wird sich mit Freuden in den Willen Gottes ergeben. Ein Mensch, der seine Relativität nicht erkannt hat, wird hochmütig sein und keine Autorität anerkennen wollen. Er wird nicht seiner gottgegebenen Vernunft folgen, sondern seinem Ego, welches ihm Trugbilder vorspiegelt und zur Auflehnung gegen Gottes Gebote und letztendlich zur Unglückseligkeit führt.
" Was ihr Gutes habt, es ist von Gott; und wenn euch ein Unheil befällt, dann fleht ihr Ihn um Hilfe an. Doch wenn Er das Unheil dann von euch hinwegnimmt, siehe, da (beginnt) ein Teil von euch, ihrem Herrn Götter zur Seite zu stellen, (so) dass sie verleugnen, was Wir ihnen beschert haben." (Sure 16, Verse 53-54).
Genau dies ist die Absicht des Islam: Sich Gottes Liebe und Barmherzigkeit immer und überall bewusst zu sein und nur Dinge zu tun, die Gott dem Menschen erlaubt hat, weil diese zu seinem Besten sind. Natürlich kennt der Islam auch eine intensive Verbindung zwischen Gott und dem Menschen, in der der Mensch alles vergisst, was um ihn ist. Das fünfmalige rituelle Gebet, das der gläubige Muslim jeden Tag verrichtet, ist die intensivste Verbingung zwischen ihm und Gott, in der Seine Nähe am stärksten gespürt werden kann.
Jeder Mensch besitzt einen Geist (Seele), der ihn mit dem göttlichen Licht verbindet. Je mehr der Mensch lernt, seinen Geist von den Einflüssen seines Egos freizumachen, desto intensiver wird er die göttliche Nähe spüren. Jenseits und Diesseits bilden eine Einheit und sind nicht voneinander zu trennen.
" Für die, welche Gutes tun, ist Gutes in dieser Welt, und die Wohnstatt des Jenseits ist noch besser. Herrlich fürwahr ist die Wohnstatt der Rechtschaffenen: Gärten der Ewigkeit, die sie betreten werden; Ströme durchfließen sie. Darin werden sie haben, was sie begehren. Also belohnt Allah die Rechtschaffenen." (Sure 16, Verse 30 & 31)
Der Mensch soll auf Erden nicht leiden, damit er im Paradies Freuden empfinden darf. Gott eine solche Absicht zu unterstellen, wäre unvernünftig und nicht Seiner Größe, Weisheit, Gnade, Gerechtigkeit und Liebe vereinbar.
Befreiung
Gott möchte, dass die Menschen ihr Ego so erziehen, dass sie sich dem Paradies als würdig erweisen. Er möchte, dass sie nicht ihren niederen Gelüsten folgen, sondern Vernunft gebrauchen und sich Gott anzunähern versuchen. Vor allen Dingen aber sollen sie sich von allen Abhängigkeiten - außer der Abhängigkeit von Gott - gegenüber befreien und nur Gott alleine dienen.
Diese Abhängigkeiten des Menschen können durchaus unterschiedlicher Natur sein. Es können sowohl Abhängigkeiten auf politischer Ebene sein. Oder aber es können Abhängigkeiten auf persönlicher, individueller Ebene sein, indem man sich zum Beispiel materialistischen Konsumzwängen - gleich welcher Art - unterwirft.
Jegliche Form von Abhängigkeit, die das menschliche Ego verleitet, sich von Gott abzuwenden, stellt eine Gefahr für den Menschen dar. Die Erziehung des Ego ist daher die vorrangigste Aufgabe des Menschen. Wenn ein Mensch sich ehrlich bemüht, diese Aufgabe zu bewältigen, wird Gott ihm dabei helfen. Das Leben wird zu einer ständigen Begegnung mit Gott:
"Gedenket Meiner, und Ich will eurer gedenken; und danket Mir und seid nicht undankbar gegen Mich!" (Sure 2, Vers 152)
Gott verspricht dem Menschen, dass Er ihm nahe sein wird, wenn er sich gottergeben verhält und vom Schlechten und Verbotenen ablässt. Wenn der Mensch sich entschlossen hat, auf Gott zuzugehen, dann kommt Gott ihm entgegen und hilft ihm bei seinen Schwierigkeiten:
"Und wenn Meine Diener dich nach Mir fragen: Ich bin nahe. Ich antworte dem Gebet des Bittenden, wenn er zu Mir betet. So sollen sie Mich hören und an Mich glauben, auf dass sie den rechten Weg gehen mögen." ( Sure 2 , Vers 186)
Dies soll jedoch keineswegs zur Passivität verleiten. Wenn das Leben eine ständige Begegnung Gottes mit dem Menschen sein soll, bedeutet dies, dass der Mensch selbst auch etwas leisten muss, um seine Aufgabe erfüllen zu können. Er darf nicht davon ausgehen, dass sein Glaube, sein Vertrauen und seine Hoffnung auf Gott ihn seiner Verantwortung entheben würden. Er soll vielmehr seine Aufgabe mit göttlicher Hilfe wahrnehmen und bewältigen.
Das Verhältnis Diener - Herr, wie es zwischen dem Menschen und Gott besteht, ist nicht von despotischer Natur. Der Mensch ist Knecht, weil ihm aufgrund seiner Relativität als geschaffenes Wesen gar nichts anderes übrig bleibt, denn er ist in seinen Möglichkeiten begrenzt. Gott aber ist der Liebende und Barmherzige Herr, der den Menschen leitet und führt, um ihn zu erhöhen. Es ist die Knechtschaft Gott gegenüber, die den Menschen erhöht, denn es ist diese bewusste bedingungslose Ergebenheit in Gott und Demut Ihm gegenüber, die den Menschen von allen anderen Abhängigkeiten befreit.
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